Ein Saxofonist, der die kleinen Formen liebt - das moderne St. Petersburger Saxofon Quartett sowie experimentelle Duos mit den verschiedenen Musikern aus der ganzen Welt oder die feinen klassischen Kammermusik Abende - so hat sich der in Russland geborene Vlady Bystrov einen Namen gemacht. Der Mann ist sich selbst genug und braucht keine großen Ensembles, geschweige denn ein Orchester (was ihn nicht hindert mit dem Kazaner Kammerorchester "La Primavera" ihm gewidmete Stücke zur Uraufführung zu bringen). Jetzt wendet sich Bystrov wieder der kleinsten, aber gleichzeitig auch der entblößendsten Einheit zu: dem Solospiel.

Kraftvoll und technisch ausgefuchst durchpflügt er die allertiefsten Wurzelbereiche seines Programms, teils Eigenkompositionen, teils "traditionelle" Solo-Stücke wie "Sequenza" von L. Berio, G. Scelsi’s "Tre Pezzi" oder "Solo" von K. Stockhausen, teils musikalisch-theatralische Kompositionen wie "Atem" von M. Kagel, teils neue elektro-akustische Kompositionen, die zu den großen Leidenschaften von Vlady Bystrov gehören.
Manchmal wirkt es wie im Rausch, wenn die Saxofon-Akkorde rumorend daher kommen, die Cluster explodieren und die perkussiven Slap-Notes wie mit einem Hämmerchen angestoßen werden.

Dass sich der Solist zudem an die problematischsten Notenfolgen herantraut, steigert die Wirkung seiner bildhaften Musik um ein Vielfaches. Denn schließlich lag es Vlady Bystrov immer daran, mit einem Stück gleichzeitig auch eine Geschichte zu erzählen.

Erst später, recht viel später, vielleicht in der zweiten Hälfte des Konzertes wird dem Zuhörer klar, dass dieses phantasievolle, emotionale Powerpaket über eine wirklich bemerkenswerte Sensibilität verfügt. Harte Schale - weicher Kern, geringer Aufwand - gewaltige Wirkung.